Fimo Blog

Gewichtsprobleme bei MS

Bei der Multiplen Sklerose sind Gewichtsänderungen häufig. Dabei kann es zu beiden Situationen kommen: Das Gewicht auf der Waage geht hoch oder auch runter. Das ist stark von der Symptomatik der Betroffenen abhängig. Zu den Faktoren, die das Gewicht dabei beeinflussen können, gehören z.B. Depression, Fatigue oder die Medikation. Zwischen 25 und 33% der MS-Patient:innen leiden unter Übergewicht.

Übergewicht

Übergewicht kann verschiedene Ursachen haben. MS-Patient:innen leiden häufig unter Schmerzen, Muskelkrämpfen, Fatigue oder Hitzeintoleranz, die regelmäßige körperliche Aktivität erschweren können. Der Mangel an Bewegung kann ein Grund für Gewichtsveränderungen sein.

Medikamente

Außerdem kann die Steroidtherapie mit Glukokortikoiden den Stoffwechsel verändern. Die Steroidtherapie wird meist angewandt, um die Schübe zu behandeln. Bei bestehenden Beschwerden kann es aber auch vorkommen, dass diese etwas länger gegeben werden. Gewichtsänderungen sind eine bekannte Nebenwirkung von einer längeren Glukokortikoidtherapie. Auch manche Antidepressiva wie Mirtazapin oder Amitriptylin können zu einer Gewichtszunahme führen.

Ernährung

Durch die Fatigue haben viele Betroffene nicht die Energie, sich gesunde Mahlzeiten selbst zuzubereiten. Wird in diesem Fall beispielsweise auf stark prozessierte Lebensmittel oder Fast-Food zurückgegriffen, kann sich das auch im Gewicht widerspiegeln. Schau dir doch mal unseren Beitrag zu energiesparendem Meal-Prepping an! Dort gibt es Tipps, wie man das kochen effizienter gestalten kann, um Energie zu sparen.

Erhöhtes MS Risiko bei Adipositas

Forscher:innen haben ebenfalls den Zusammenhang zwischen Übergewicht und dem Risiko für MS untersucht. Bekannt sind bestimmte genetische Veränderungen, die sogenannten SNPs, die mit Übergewicht assoziiert sind. Es wurde dann geschaut, ob diese SNPs auch bei Patient:innen mit MS häufiger vorkommen - dies war auch der Fall. Das MS Risiko soll bei einem BMI von 30 gegenüber einem BMI von 25 um 41% erhöht sein. Damit könnte der BMI ein wichtiger und vor allem veränderbarer Risikofaktor für MS sein.
Neuste Erkenntnisse zeigen auch: Übergewicht kann die Symptome einer bestehenden MS verschlimmern. Vor allem das viszerale Fettgewebe setzt entzündungsfördernde Botenstoffe frei, was den Verlauf der MS negativ beeinflussen kann.

Was kann man tun?

Ein Gewichtsverlust kann sich im Fall von Übergewicht positiv auf den Verlauf der MS auswirken. Dazu sollte man einplanen, kontinuierlich Gewicht zu reduzieren und nicht so viel wie möglich auf einmal. Eine schnelle, starke Gewichtsreduktion ist oft nicht langfristig.

Ernährung

Du solltest versuchen, deine Essgewohnheiten so umzustellen, dass du dich gesünder ernährst. Dazu gehört der Verzicht auf zum Beispiel:
  • stark verarbeitete Lebensmittel
  • Lebensmittel mit zugesetztem Zucker
  • gesättigte Fette
  • übermäßiges Salz
  • frittierte Speisen
  • Süßigkeiten
  • gesüßte Getränke

Sinnvoll wäre es z.B. folgendes zu essen/trinken:
  • Früchte und Gemüse
  • Vollkornprodukte, Haferflocken und brauner Reis
  • Nüsse, Bohnen und Samen
  • pflanzliches Protein
  • Fisch für die Omega-3-Fettsäuren
  • Wasser/Tee

Versuche, ungesunde Zwischensnacks durch gesunde Alternativen zu ersetzen. Statt zuckerhaltigen Backwaren kannst du dir vorgeschnittenes Gemüse vorbereiten. Auch Nüsse, fettarmer Joghurt oder Vollkorncracker können den kleinen Hunger zwischendurch überbrücken. Eine Ernährungsumstellung klingt oft nach einer großen Aufgabe. Du kannst dir das ganze einfacher gestalten, indem du dich erst auf eine Mahlzeit konzentrierst. Starte beispielsweise mit dem Frühstück: Das Brot mit Marmelade oder Nutella ersetzt du durch Haferflocken und frische Früchte. Wenn du dich an das neue Frühstück gewöhnt hast, arbeitest du am Mittagessen. Inspirationen und Rezepte für gesunde Mahlzeiten findest du auch in unserem Blog!

Körperliche Betätigung

Im Normalfall hilft auch schon leichte körperliche Betätigung, das Gewicht zu reduzieren. Auch Tätigkeiten im Garten oder ein einfacher Spaziergang zählen dazu!
Da dies durch die Fatigue bei MS häufig schwierig sein kann, sollte man sich nicht überbeanspruchen. Du kannst zum Beispiel mit kurzen Spaziergängen starten und diese mit der Zeit verlängern. Es kann hilfreich sein mithilfe von Pacing herauszufinden, wieviel Aktivität möglich ist ohne die Fatigue Symptome zu verschlimmern. Sprich mit deinem:r Ärzt:in darüber, dass du gerne dein Gewicht reduzieren würdest. Eventuell kann er:sie dich durch eine Änderung der Medikation oder hilfreichen Tipps zur Ernährungsumstellung unterstützen.

Untergewicht

Vor allem die Depression kann den Appetit verändern. Betroffene verspüren keinen ausreichenden Appetit mehr und essen dementsprechend weniger. Aber auch manche Antidepressiva wie z.B. Bupropion können durch die antriebssteigernde Wirkung einen erhöhten Energieverbrauch mit nachfolgender Gewichtsreduktion verursachen.
Darüber hinaus kann die MS die Muskulatur beeinträchtigen, die beim Schlucken aktiv ist. Die Folge ist die sogenannte Dysphagie, bei der es zu Schluckproblemen kommt.

Was kann man tun?

Es kann helfen, kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt zu essen. Vermeide es, zu viel auf einmal zu essen. Auch das Mindful Eating kann hilfreich sein, ein gesundes Verhältnis zum Essen aufzubauen. Du achtest dabei auf alle Sinneseindrücke, die beim Essen auf dich einwirken: Wie sieht das Essen aus? Wie riecht es? Wie fühlt es sich an? Und wie schmeckt es? Versuche auch deine Essgeschwindigkeit zu verlangsamen, um dich voll auf die Sinneseindrücke konzentrieren zu können.
Nahrungsergänzungsmittel wie z.B. Shakes können helfen, Kalorien und Nährstoffe zu sich zu nehmen, ohne viel Essen zu müssen. Das kann hilfreich sein, wenn z.B. der Appetit fehlt oder Schluckbeschwerden vorliegen. Solltest du selbst nach einer Umstellung noch Probleme mit deinem Gewicht haben, hol dir am besten Rat von einem:r Ärzt:in.

Zusammenfassung

Durch die Multiple Sklerose kann es sowohl zur Gewichtszunahme als auch -abnahme kommen. Abhängig von deiner Symptomatik können Ernährungsumstellung, körperliche Aktivität, eine Veränderung der Medikation oder auch Nahrungsergänzungsmittel helfen dein Gewicht zu normalisieren. Dein Vorhaben sollte aber immer mit deinem:r Ärzt:in abgesprochen sein, damit du dich nicht zu sehr beanspruchst und im schlimmsten Fall deine Symptome verschlechterst. Die Gewichtsveränderung sollte auch ein langfristiges Ziel sein. Kleine Veränderungen, die beibehalten werden sind effektiver als große, die nach kurzer Zeit wieder verworfen werden!





Quellen

https://multiplesclerosis.net/living-with-ms/gaining-weight
https://www.webmd.com/multiple-sclerosis/multiple-sclerosis-weight-changes
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1551714421002317
https://www.ms-docblog.de/multiple-sklerose/neues-vom-ectrims-2020-uebergewicht-als-risikofaktor/

https://www.mssociety.org.uk/care-and-support/everyday-living/eating-and-drinking/managing-your-weight
Multiple Sklerose