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Umgang mit Emotionen

Umgang mit Emotionen

Emotionen – ein allseits bekannter Begriff und etwas, das uns täglich begleitet. Und wenn man genauer hinschaut, sogar eines der stärksten menschlichen Bedürfnisse überhaupt: Fühlen. Denn Fühlen (oder auch das allseits bekannte „Bauchgefühl“) hilft uns dabei, Gefahren zu erkennen, die richtigen Entscheidungen zu treffen oder auch einfach: zu genießen.
Trotz allem gibt es natürlich auch Gefühle, die erst einmal unangenehm erscheinen und die wir deshalb oft gewillt sind, zu vermeiden – Versagensängste, Stress im Alltag oder aber auch die Traurigkeit über eine Diagnose sowie die wiederkehrende Frustration, die viele Betroffene von chronischen Krankheiten nur zu gut kennen dürften. Als "krank" diagnostiziert zu werden, kann eine ganze Reihe von Emotionen auslösen. Man begibt sich auf eine Reise, die oft von Höhen und Tiefen geprägt ist. Verständlich, wenn man sich dieser Achterbahnfahrt nicht immer aussetzen mag!
Doch diese „Emotionsvermeidung“ hilft auf lange Sicht (…wer hätte es gedacht) oft nicht weiter – die unangenehmen Gefühle kommen immer wieder zurück oder stauen sich auf. Es lohnt sich also, einen Blick darauf zu werfen, was Emotionen eigentlich sind und wie man mit ihnen umgehen kann!

Was bedeutet eigentlich der Begriff "Emotionen"?

Beginnen wir mit dem Grundlegenden. E-motionen sind wörtlich genommen "Energie in Motion“, also in Bewegung. Und genau das brauchen sie auch: Sie müssen fließen. Werden sie blockiert und nicht verarbeitet, können sie sich wie bei einem Staudamm anstauen und uns auf Dauer schaden. Eine Emotion ist meist wie eine Welle, die sich langsam auftürmt, irgendwann ihren Höhepunkt erreicht und dann aber auch wieder abflacht und sich beruhigt.
Emotionen sind also Ausdruck von Energie. Sie spiegeln wider, wie es uns geht und können unglaublich heilsam wirken, wenn wir lernen zusammen mit ihnen zu arbeiten, anstatt sie einfach nur "weghaben" zu wollen. Wenn wir Emotionen nur als unangenehme Begleiter sehen, können wir sie nicht richtig verarbeiten.

„Gute“ und „schlechte“ Emotionen?

Wir sehnen uns nach Erfahrungen, die uns fühlen lassen – sei es in Tagträumen, Geschichten, traurigen und/oder lustigen Filmen, Erinnerungen oder konkreten Unternehmungen. Dabei ist es uns meist lieb, wenn sich diese Gefühle auf einer gewissen Bandbreite an Intensität und Kontrollierbarkeit bewegen. Platt gesagt: Wir sehnen uns danach, bestimmte Gefühle zu erfahren, aber herzzerreißender Schmerz ist unerwünscht.
Was damit einhergeht, ist auch der Glaubenssatz, dass Emotionen generell in "gut" und "schlecht", oder anders ausgedrückt "erstrebenswert" und "zu vermeidend" eingeteilt werden können. So ein Glaubenssatz macht es schwer, Emotionen überhaupt zuzulassen.
Es stimmt, dass Emotionen wie Angst, Wut oder Trauer uns im akuten Moment, also quasi auf dem Höhepunkt der „Emotionswelle“ nicht gerade wohl fühlen lassen. Aber hast du mal geschaut, ob diese Gefühle dich auf etwas aufmerksam machen oder gemacht haben? Etwa, dass du mal wieder eine Pause brauchst oder Grenzen setzen musst? Dass die Zeit für dich fehlt oder du gerade einfach eine Umarmung brauchst?
Also: Warum wird eine gewisse Emotion in einer Situation ausgelöst? Was ist es wirklich, das mir vielleicht Angst macht und ich deshalb mit Wut und Ablehnung reagiere?
Nicht allzu selten sind Emotionen sogar ein versteckter Hinweis auf etwas, was dir wichtig ist: auf deine zugrundeliegenden Werte – und auch diese zu kennen, führt langfristig dazu, dass du zufriedener durchs Leben gehen kannst. Eigentlich sind unangenehme Emotionen also gar nicht so schlimm! Denn wenn es uns gelingt, sie zu akzeptieren, können wir das temporär erzeugte ungute Gefühl oder Leid sogar als Lernchance sehen.

Akzeptanz als Antwort

Wir haben schon das Bild der Emotionswelle benutzt, die sich auftürmt, aber irgendwann auch wieder abflacht. Vielleicht kennst du den Satz: "Aus der Angst ist durch die Angst". Um Emotionen wirklich zu verarbeiten, müssen wir sie akzeptieren, indem wir mutig durch das jeweilige Gefühl (oder die Welle) gehen. Davor immer wieder kehrt zu machen und es doch lieber wann anders anschauen zu wollen, hilft eben nur eine begrenzte Zeit.
Ein weiterer Satz ist: "Du hast zwar Gefühle, aber du bist nicht deine Gefühle". Auch, wenn wir uns ihnen manchmal ausgeliefert fühlen, so sind sie doch letztendlich nur ein kleiner An-TEIL. Allein dadurch, dass man sich von seinen Gefühlen distanzieren und ihnen zuschauen kann, zeigt dir, dass du nicht das Gefühl bist. Wie die Erde, die Wolken hat. Sie ist aber immer noch die Erde, während sich die Wolken ständig ändern und manchmal sogar scheinbar den Boden berühren können.
Jede Emotion, so groß und überwältigend sie auch scheinen mag, ist also trotzdem nur ein An-TEIL deines großen, umfassenden Gefühlsapparats. Hab also keine Angst, sondern fang an, mit dem ganzen Konzept ein wenig spielerischer umzugehen und den ein oder anderen neuen Umgang mit Emotionen auszuprobieren.

Wie Akzeptanz gelingen kann

Der erste Schritt zu einem guten Umgang mit Emotionen ist, diese wahrzunehmen und anzuerkennen.
Der zweite Schritt ist das Aussprechen dieser Emotion. So kann man sich selbst zum Beispiel eingestehen: "Ich bin gerade wütend und frustriert, dass ich mich nur noch nach der Krankheit richten muss und nicht mehr einfach machen kann, was ich will."
Als dritter Schritt hilft es, sich Zeit zu nehmen und sich mit der Emotion einmal hinzusetzen. Was wäre, wenn du dich zum Beispiel auf einen Kaffee mit deiner Wut und Frustration triffst und sie ausfragst, wo sie herkommt, was sie dir erzählen möchte? Sieh sie als einen Teil von dir, der gerade nach einem offenen Ohr fragt und Hilfe braucht. Du kannst die Augen schließen, dir vorstellen, wie die "Wut und Frustration" vor dir sitzt. Wie sieht sie aus? Welche Farbe hat sie? Hat sie ein Gesicht? Eine Form?
Dann kannst du sie fragen: "Was ist los?" "Was brauchst du gerade?" "Kann ich dich unterstützen?" Stell dir vor, dass diese Emotion wie ein Kind ist, welches mit einem Anliegen zu dir kommt. Nimm dir Zeit, begegne ihm auf Augenhöhe. Hör‘ ihm zu und nimm es eventuell in den Arm.
Diese Form der spielerischen Akzeptanz ist ein guter Ansatzpunkt zum Umgang mit Emotionen! Dadurch lernst du, sie zuzulassen, da sein zu lassen und gleichzeitig genügend Abstand zu ihnen zu gewinnen (wenn du mit deiner Wut Kaffee trinkst oder sie umarmst, kannst du sie nicht gleichzeitig sein).
All das sind Maßnahmen, die sich auch in konkreten Übungen der Akzeptanz- und Commitment-Therapie wiederfinden, über die wir an anderer Stelle schon geschrieben haben. In dieser Form der Psychotherapie geht es darum, seinen Emotionen genügend Raum zu lassen und sich gleichzeitig nicht übermäßig von ihnen einnehmen zu lassen, sondern sich stattdessen auf die eigenen Werte im Hier und Jetzt zu fokussieren.

Fazit

„Emotion“ bedeutet wörtlich „Energie in Motion“, also in Bewegung. Emotionen sind also ständig im Wandel und nie gleich schlimm oder gleich gut. Sie müssen fließen können. Es hilft uns langfristig nicht, diesen Fluss durch Ablehnung oder Unterdrückung zu stoppen. Denn auch in Emotionen, die uns temporär sehr unangenehm erscheinen, steckt heilsames Lernpotenzial. Eine Unterscheidung in „gute“ und „schlechte“ Emotionen ist demnach gar nicht so sinnvoll.
Mache also deine Emotionen, statt sie zu unterdrücken, lieber (wieder) zu einem Teil von dir, z.B. durch spielerische Akzeptanz. Integriere sie und lerne sie zu schätzen – auch, wenn das momentan für dich noch widersprüchlich oder unmöglich erscheint.

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