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Rentenanspruch mit MS

Rentenhöhe bei Erwerbsminderung

Photo by Michael Longmire on Unsplash


Wenn du aufgrund deiner Multiplen Sklerose deinen Beruf nicht mehr ausführen kannst, gibt es mit der Erwerbsminderungsrente die Möglichkeit deinen Verdienstausfall auszugleichen. In diesem Blog Artikel haben wir dir die wichtigsten Zahlen und Fakten über die Erwerbsminderungsrente zusammengetragen. Erfahre wem die Rente überhaupt zusteht und wer überhaupt beurteilt, ob jemand Anspruch auf die Erwerbsminderungsrente hat. Wir erklären dir auch, wie lange es überhaupt möglich ist, die Erwerbsminderungsrente zu erhalten.

 

Erwerbsminderungsrente: Was ist das überhaupt?

Wenn du aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeitsfähig bist, soll eine Rente wegen voller Erwerbsminderung dein Einkommen ersetzen. (volle Erwerbsminderungsrente)

Kannst du noch einige Stunden täglich arbeiten, ergänzt die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung das Einkommen, das du selbst noch erzielst. (Teilerwerbsminderungsrente)

Auch wichtig zu wissen ist:

"Egal, ob aus Altersgründen, Krankheit, Behinderung oder ob bei dir eine volle Erwerbsminderung vorliegt: Wenn deine Arbeitsfähigkeit nicht mehr dazu ausreicht, deinen Lebensunterhalt selbst bestreiten zu können, giltst du als hilfebedürftig. Du hast dann einen Anspruch auf Leistungen der Grundsicherung gemäß des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch (SGB XII). Diese Grundsicherung steht dir unabhängig von der vollen Erwerbsminderungsrente zu.

Die Bewilligung dieser Leistung erfolgt in der Regel für den Zeitraum von einem Jahr. Die Bewilligung wird jeweils neu erteilt, wenn die Voraussetzungen weiterhin vorliegen."

Zusammengefasst bedeutet das: Kannst du durch deine Arbeitsfähigkeit nicht mehr deinen Lebensunterhalt verdienen, so gibt es verschiedene Möglichkeiten, die alle dafür dienen, dir eine Grundsicherung zu schaffen.

 

Wer ist für die Erwerbsminderung berechtigt?

  • Das hängt von der Arbeitsfähigkeit ab:
  • Wer über 6 Stunden arbeiten kann→ hat keinen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente
  • Wer 3 Stunden, aber weniger als 6 Stunden arbeiten kann → hat eventuell Anspruch auf Teilerwerbsminderungsrente
  • Ausnahme: aufgrund der schlechten Beschäftigungssituation ist eine Stelle mit 3h/ Tag kaum zu finden, deshalb gibt es die "Arbeitsmarktrente" → volle Erwerbsminderungsrente
  • Wer weniger als 3 Stunden arbeiten kann→ Hat vermutlich Anspruch auf die volle Erwerbsminderungsrente 

Weitere Anforderungen sind folgende:

  • noch nicht die Regelaltersgrenze (für nach 1964 Geborene momentan 67 Jahre) erreicht
  • mind. 60 Kalendermonate (=5 Jahre) vor der Erwerbsminderung rentenversichert gewesen → sogenannte allgemeine Wartezeit
  • während der letzten 5 Jahre mind. 36 Monate (=3 Jahre) pflichtversichert in der Gesetzlichen Rentenversicherung

 

Wer beurteilt meinen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente?

Der Rentenversicherungsträger wird bei deinem:r Ärzt:in einen Befundbericht anfordern. Zusätzlich beurteilt der Sozialmedizinische Dienst deinen Gesundheitszustand in einem Gutachten. Falls du einen Befund von der Reha hast, kann letzteres durch den Reha-Befund ersetzt werden. Es wird außerdem nochmal geprüft, ob die Erwerbsfähigkeit durch eine medizinische oder berufliche Rehabilitation wiederhergestellt werden kann.

 

Wie lange bekomme ich die Erwerbsminderungsrente?

Die Erwerbsminderungsrente beantragt man erstmal für 3 Jahre. Wenn sich an der Situation nichts geändert hat, kann man sie nochmal beantragen, welche wieder auf 3 Jahre befristet ist. Nach 9 Jahren kann man eine unbefristete Rente bekommen, wenn die Umstände sich nicht verändert haben und auch keine Aussicht auf Besserung oder Genesung ist.

 

Wie viel Geld erhält man bei Erwerbsminderung überhaupt?

Die Erwerbsminderungsrente ist kein fester Betrag, sondern wird ganz individuell berechnet.

Als Durchschnittsverdiener (2021: ca. 41.541€/Jahr) erhält man einen Rentenpunkt pro Jahre. Jenachdem, ob man mehr oder weniger verdient, erhält man verhältnismäßig mehr oder weniger Rentenpunkte. Anhand der, zum Zeitpunkt des Unfalls, der Krankheit oder anderer Gründe, bereits gesammelten Rentenpunkte wird berechnet, wie viele Rentenpunkte man voraussichtlich noch gesammelt hätte, wenn man bis zur Regelaltersgrenze weitergearbeitet hätte.

Dabei werden die bereits gesammelten Punkte auf die Jahre seit dem 17. Geburtstag gerechnet. Hat man seitdem noch Schule und Universitäten besucht oder Ausbildungen absolviert, wird diese Zeit von den Jahren abgezogen. Von den nun errechneten gesamten Punkten (bereits Gesammelte und für die Zukunft Geschätzte) wird noch ein sogenannter "Rentenabschlag" abgezogen. Dieser beträgt 0,3% pro Monat, den man jünger, als die Regelaltersgrenze ist. Als Grenze gelten 10,8% Rentenabschlag.

Danach rechnet man die Rentenpunkte minus den jeweiligen Rentenabschlag und multipliziert die übrig gebliebenen Rentenpunkte mit dem aktuellen Rentenwert (01.07.2021: West: 34,19€; Ost: 33,23€). Davon müssen dann noch Beträge, wie Kranken- und Pflegeversicherung abgezogen werden. Von dem Betrag, der dann übrig bleibt, werden noch Steuern abgezogen, die jedoch sehr individuell sind. Mache dir bewusst, dass du mit der Erwerbsminderungsrente weniger Geld erhalten wirst. Vielleicht musst du deinen Lebensstil dann nochmal anpassen und lernen mit weniger Geld auszukommen.

 

Darf ich mir noch Geld dazuverdienen?

Ja, darfst du. Allerdings muss der Arbeitsumfang jenachdem unter 3h/Tag oder unter 6h/Tag betragen, jenachdem ob du eine volle oder eine Teil-erwerbsminderungsrente bekommst.

Noch dazu gibt es einen Maximalbetrag von 450€ brutto, der monatlich nicht überschritten und pro Jahr nur 2x überschritten werden darf, zum Beispiel bei Weihnachts- oder Urlaubsgeld.

Wenn du mehr verdienst, wird dir das unter Umständen von deiner Erwerbsminderungsrente abgezogen. Aber überlege dir gut, ob du in der körperlichen und mentalen Lage bist, einen Nebenjob auszuführen. Auch ein Nebenjob kann Stress bedeuten. Gerade Stress soll auch durch die Erwerbsminderung gesenkt werden.

 

Wie viele MS-ler:innen betrifft das?

Laut einem Artikel der DMSG werden über die Hälfte der MS-Erkrankten in Deutschland bis zur Rente berufsunfähig. Oft hängt die Beruhfsunfähigkeit mit dem Ausmaß der Fatigue zusammen. So trat Fatigue zu 71% bei vorzeitig Berenteten auf im Vergleich zu 55% bei noch Erwerbstätigen.

 




Quellen


https://www.trotz-ms.de/leben/bildung-beruf/finanzielle-hilfe-bei-ms-was-bedeutet-erwerbsminderungsrente

https://www.msundich.de/mein-weg-mit-ms/studium-und-beruf/beruf/erwerbsminderungsrente

https://www.vdk.de/ov-ka-gruenwinkel/ID100928

https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/ms-forschung/ueber-die-haelfte-der-multiple-sklerose-erkrankten-in-deutschland-werden-bis-zur-rente-mit-65-berufs/

Multiple Sklerose