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Uhthoff Phänomen und das Fatigue Syndrom

Erschöpfungssyndrom

Photo by Nick Karvounis on Unsplash 


Viele MS-Patient:innen sind vom Uhthoff-Phänomen und/oder dem Fatigue Syndrom betroffen. Manchmal ist die Abgrenzung der beiden Syndrome nicht ganz klar. Wir erklären euch in diesem Artikel die Unterschiede und gehen etwas mehr auf das Uhthoff-Phänomen ein.

Uhthoff-Phänomen und Symptome

Beim Uhthoff-Phänomen verschlechtern sich die neurologischen Symptome der Multiplen Sklerose oder einer anderen demyelinisierenden Erkrankung. Diese Verschlechterungen der Symptome sind jedoch nur vorübergehend und werden oft zum Beispiel durch eine Erhöhung der Körpertemperatur (z. B. durch heiße Außentemperaturen, heißes Bad/Dusche, Sauna, sportliche Anstrengung) bzw. durch Hitze ausgelöst und führt zu neurologischen Symptomen wie Sehstörungen, verschlechterte Motorik, Kraftverlust usw.


Warum tritt das Uhthoff-Phänomen auf?

Man geht davon aus, dass circa 80% der MS-Patient:innen vom Uhthoff-Phänomen betroffen sind.

Bei der Multiplen Sklerose kommt es zu Nervenschädigungen durch die körpereigenen Zellen (Demyelinisierung). Dabei entstehen narbige Bereiche an den Nerven. Beim Uhthoff-Phänomen wird genau an diesen Bereichen durch Hitze oder erhöhte Temperatur, die Nervenleitgeschwindigkeit heruntergesetzt.

Außerdem tritt das Uhthoff-Phänomen auch bei anderen Erkrankungen, wo es zu einer Demyelinisierung der Nerven kommt, wie zum Beispiel beim Guillain-Barré-Syndrom, der akuten disseminierte Enzephalomyelitis (ADEM) oder auch der chronisch inflammatorischen demyelinisierenden Polyneuropathie, auf.


Fatigue Syndrom - Symptome und Definition

Eine nach körperlicher Aktivität auftretende körperliche und/oder geistige Erschöpfung, die unverhältnismäßig zur vorherigen Aktivität auftritt und zumeist auch nicht durch Ruhe & Erholungsmechanismen rückgängig ist. Ausgelöst wird Fatigue durch eine zu geringe oder zu hohe körperliche Aktivität und/oder Faktoren wie Schlaf, Stress, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Umgebungslautstärke, Licht etc.

Im Gegensatz zum Uhthoff-Phänomen führt Fatigue zu allgemeinen Symptomen wie allgemeines Erschöpfungs- und Schwächegefühl, Konzentrationsstörungen, gestörter Schlaf, Motivationsverlust und Verlust von körperlicher Belastbarkeit.


Warum tritt das Fatigue Syndrom auf?

Man geht beim Fatigue Syndrom aus, dass bis zu 90% der MS-Patient:innen betroffen sind.

Bisher ist ungeklärt, warum das Fatigue Syndrom auftritt. Man spricht von einem "multifaktoriellen (also von vielen Faktoren beeinflusst) Geschehen". Möglicherweise wird die Fatigue durch die Schädigung der Nervenzellen, aber auch durch andere Einflussfaktoren wie die Psyche, Ernährung ggf. auch die Einnahme von Medikamenten beeinflusst.

Auch das Fatigue Syndrom tritt nicht nur bei MS-Patient:innen auf. Fatigue kann auch bei Patient:innen auftreten, die unter anderen chronischen Erkrankungen leiden. So sind zum Beispiel bis zu 90% der Krebs-Patient:innen, die unter einer Chemo- oder Strahlentherapie stehen, betroffen. Auch bei rheumatologischen Erkrankungen, Long-Covid, Diabetes, kann Fatigue auftreten.


Mehr zum Uhthoff-Phänomen

Das Uhthoff Phänomen wurde ursprünglich durch den Augenarzt Wilhelm Uhthoff (1853–1927) entdeckt und beschrieb eine reversible, also nicht dauerhafte Sehverschlechterung, die durch eine erhöhte Körpertemperatur ausgelöst wird.

Heutzutage weiß man, dass die Erhöhung der Körpertemperatur von 0,5 Grad ausreicht, die Reizübertragung der Nerven zu verlangsamen bzw. zu blockieren. Je weiter die MS (also die Demyelinisierung der Nerven) fortgeschritten ist, desto wärmeempfindlicher werden die Nerven.

Mittlerweile beschreibt das Uhthoff-Phänomen aber nicht nur eine verschlechterte Sehfähigkeit, sondern die allgemeine Verschlechterung neurologischer Symptome durch eine erhöhte Körpertemperatur.


Die Dauer des Uhthoff-Phänomens

Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass dies nur ein temporärer Zustand ist. Dieser hält nur so lange, wie die Körpertemperatur auch erhöht ist. Wenn man seinen Körper herunter kühlt, können die Nerven mit der gleichen Geschwindigkeit wie vorher arbeiten. Deshalb nennt man das Uthoff-Phänomen auch einen "Pseudo-Schub", weil Symptome ähnlich wie bei einem Schub auftreten, aber wieder verschwinden. Sollten die Symptome doch länger anhalten und auch nach "abkühlen" sich nicht bessern, könnte es sich um Anzeichen eines Schubes handeln.


Was kann man tun? Gibt es Präventionsmaßnahmen?

Um das Uhthoff-Phänomen zu vermeiden, sollte man starke körperliche Belastungen vermeiden. Beim Fatigue Syndrom führen adäquater Sport und Bewegung wiederum zu einer Verminderung der Fatigue.

Generell sollte man nicht zu heiß Duschen und Saunagänge, starke Hitze sowie direkte Sonneneinstrahlungen vermeiden. Luftige Sommerkleidung oder auch kühlende Kleidung wie Kühlwesten sind dabei sehr nützlich. Da ein hoher Flüssigkeitsverlust die Symptome noch verstärken kann, ist es wichtig, viel und ausreichend zu trinken. Hierbei können Eiswürfel, Eis und gekühlte Getränke besonders den Körper von innen kühlen.

Arme und Füße können zusätzlich in eine Schüssel mit kühlem Wasser gehalten werden, um sich schnell herunterzukühlen. Im Hochsommer können vor allem nachts kalte Waschlappen auf den Körper gelegt werden, damit der Körper leicht gekühlt wird.

Wer unter dem Uhthoff-Phänomen leidet, sollte sich also vor allem im Sommer gut vorbereiten. Denn Vorbereitung ist die halbe Miete; wenn absehbar ist, dass die nächsten Tage sehr heiß werden, dann bereitet euch entsprechend vor. Stellt Eiswürfel kalt, habt genügend kalte Getränke im Kühlschrank oder holt eure Gartendusche aus der Garage.

Auch in unserem YouTube-Video erklären wir euch die genauen Unterschiede zwischen diesen beiden Syndromen. Schaut doch mal rein.


Multiple Sklerose